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Orakelstab 1: Gebärendes Ur-All
Runenbegriff: Odal / othala
Sinngehalt: keimhafter Beginn urstofflicher Werdung (Urda-Wodan, Hermhekate)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Schütze/Steinbock
Laut: O
Anfang und Ende treffen sich in diesem Stab als Verkörperung von Tod und
Wiederbeginn: Es häutet sich die Schlange der Ewigkeit (summus deus); - die
menschliche Seelenkraft (Kundalini) richtet sich auf. Der Schicksalsfaden der
Wodan-Urda wird neu geknüpft. Das kann einen Schritt ins Unbekannte bedeuten.
Der urmütterliche Wink der Nertha/ Gaea/Aramati/Maya/lsis, der Weltweberin,
heißt aber auch: Zuwachs oder Abgang innerhalb des Sippenkreises. Ein weiteres
Thema ist die persönliche Entwicklung: Hervorgerufen durch eine Schicksalslaune,
könnte ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Es sind hier aber allgemein
nicht die dramatischen, aggressiven Ereignisse gemeint, die blitzesgleich aus
heiterem Himmel einschlagen, sondern die leisen Ruderbewegungen, welche trotzdem
dauerhafte Kursänderungen hervorrufen - auf guten emporführenden Bahnen,
ist doch das gründliche, ernsthafte, vernünftige, zielstrebige Ziegenfisch/Steinbock-Prinzip
in diesem Stab ebenso wirksam wie der zukunftsweisende Schütze-Charakter.
Orakelstab 2: Polarer Impuls
Runenbegriff: Tag / dagaz
Sinngehalt: Entstehung von Wirkvaters Wechselkraft (Thor/Donar, lndra, Zeus,
Taranis)
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Steinbock
Laut: D
Vom Tagerwachen spricht dieser Stab - vom Aufgehen einer Tür - vom wirkfrohen,
kühnen Kampf gegen Hindernisse; Gelegenheiten werden genutzt, Widerstände beseitigt.
Ein tatkräftiger Anfang ist gemacht. Steinbock-Prinzipien, wie Disziplin, Objektivität
und nüchterne Zielsetzung bestimmen diesen Stab. Die Rune versteht sich geradezu
als Aufforderung, Chancen rechtzeitig zu ergreifen, bevor sie vorübergegangen
sind. Andererseits könnte sie als Warnung begriffen werden vor allzu großer
Rücksichtslosigkeit in Verfolgung enger, egoistischer Zielsetzungen. Nicht der
bedingungslose Triumph, vielmehr ein Sieg - eingefügt in die rechte Ordnung
aus der Verpflichtung für das Ganze, im Yin- und Yang-Gleichnis - ist anzustreben.
Orakelstab 3: Erwachender Lichtgeist
Runenbegriff: Ingu / ingwaz
Sinngehalt: aufstrebender, sich entfaltender Sonnensohn (Agni-Krishna, Mithra/Mithras,
Hor-Apollo, Helgi-Fro/Frej)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Steinbock/Wassermann
Laut: NG
Diese Rune verheißt werdende, wachsende, glückliche Erfüllung. Ein segensvolles,
erfolgreiches Projekt wird beginnen. Das beharrliche Aufwärtsstreben des Steinbocks
mischt sich mit Wassermann-Impulsen: ethische, moralische, idealistische, humanitäre
Grundsätze, Wahrheitsliebe, Gewissenhaftigkeit. Der reine, fruchtbare Licht/Feuergeist,
das Prinzip des Heiles und der Gesundheit schlechthin, wirkt in diesem Stab
als keimhafte Kraft, aus der sich die ganze Fülle aller menschlichen Hoffnungen
zu entfalten verspricht. Die Rune gilt als Signal für das Ende von Bedrängnis
und Sorge, als Zeichen der Wende zum Besseren. Sie schließt aber auch die Aufforderung
mit ein, keinen Augenblick in hoffnungsseliger Glücksgewißheit zu verharren,
sondern im gläubigen Eifer für den Erfolg mitzuwirken. Der runische Schwerpunkt
liegt im Intelligiblen, rein Geistigen und könnte somit auch auf erfolgreiche
Examina hinweisen
Orakelstab 4: Fruchtbarkeitsstrom
Runenbegriff: Lauch und Lache / laukaz
SinngehaIt: Ur-Wasser-Pflanzen-Mond Fruchtbarkeitseinheit (Lebenssaft, Soma)
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Wassermann
Laut: L
Jene der Urmutterkuh entspringenden vier Lebenswasserströme erwirken und durchdringen
als Somasaft die Welt der Erscheinungen von der Himmelspflanze, in Gestalt des
Vollmondes, bis zur unscheinbaren, aber heilkräftigen Lauchzwiebel. Aus dieser
Rune rinnt die allwissende Weltenfeuchte urmütterlicher Weisheit; sie kündet
von Ahnung und Intuition, Spiritualismus, ja seherischer Kraft aus erdnahen,
wurzelstarken Potentialen. Wassermann(-frau)-Strömungen, wie originelle, erfinderische,
sprühende geistige Gaben spielen ihre Rolle. Tief eingeborene Instinkte drängen
danach, die Oberhand zu gewinnen und den Logos zu überwältigen. Man sollte versuchen,
sich ihrer zu bedienen, ohne sie allein regieren zu lassen. Der Rune wohnt übersinnlich-magische
Gewalt inne, fördernd, heilend und segnend zu wirken. Als Orakelstab könnte
sie Genesung bedeuten bzw. Weihung jeglichen Wachstums.
Orakelstab 5: Ergänzung zum Einklang
Runenbegriff: Mannus / mannaz
Sinngehalt: polarer urmenschlich-göttlicher Weltgeist
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Wassermann/Fische
Laut: M
Der Stab verkörpert Intelligenz, Kultur und soziale Harmonie, beste menschliche
Eigenschaften und Möglichkeiten, Ausgewogenheit gleichberechtigter kosmischer
Kräfte von Yin und Yang, des Weichen und des Harten, des Weiblichen und des
Männlichen. Die Fische-Qualitäten: Hilfsbereitschaft, Opferfreude, Einfühlsamkeit,
Beweglichkeit werden hier gemeinsam mit den gedeihlichen Wassermannkräften relevant.
Die Rune erinnert daran, daß neben den vier Grundbaustoffen der Welt auch das
fünfte Element, die Quinta essentia, Bestandteil des Menschen ist, der damit
unmittelbaren Anteil hat am Gottesgeist. Die Gottheit verwirklicht sich in einem
jeglichen von uns. Außer der Aufforderung, sich jener Weite und Geschlossenheit
höchsten Menschentums bewußt zu werden, will die Rune Ratgeber sein, daß viele
Probleme aus eigenem Handeln ableitbar und deren Lösungen somit in uns selbst
zu suchen sind. Mannus könnte aber auch heterosexuelle Liebesbeziehungen oder
einen Eheschluß voraussagen; auch auf diesem Wege suchen menschliche Teilwesenheiten
ihre Einmündung in die Erfüllung und Vollkommenheit.
Orakelstab 6: Raum - Zeit - Ganzheit
Runenbegiff: Hengst / ehwaz
Sinngehalt: kosmische, raumzeitliche, positiv-negative Erscheinungseinheit
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Fische/Pegasos
Laut: E
Ein Schlüsselwort zur Erfassung des Fische- bzw. Pegasos-Aspektes lautet: AII-Einheit;
Zeugung und Fruchtbarkeit gehören zu seinen WesensmerkmaIen. Um die Rune zu
verstehen, muß die traditionelle Bedeutung des Pferdes im indogermanischen Kulturkreis
verinnerlicht werden. Der rasende Kosmos, die Einheit von Raum und Zeit, wird
im Gleichnis des Rosses geschaut; mithin ähnelt ihm die Gottheit selbst, welche
in heiliger Kommunion der menschlichen Leiblichkeit während des Frühlingsroßopfers
zum Zwecke der Katharsis zugeführt wurde und wird. Die symbolhafte Gottnähe
macht das Roß selbst zum lebendigen Orakel, auf dessen Wiehern und Stampfen
gehört werden mochte. Als AlI-Roß könnte der Stab das Kommen himmlischen Lichtes
(Schimmel, altnord. skinfaxi), aber auch die Erscheinung chthonischer Mächte
(Rappen, aItnord. hrimfaxi) prophezeihen, je nach Charakter des Orakelverbandes.
Jedenfalls spricht der Stab von rascher Veränderung bestehender Gegebenheiten.
Der kosmische Hengst führt die Sonne herauf zur Wohlfahrt der Welt und bringt
das Licht wieder hinab in der Hel- oder Höllenfahrt. Bei glücklicher Runenstellung
wird der Stab auf starke Befruchtung positiven Fortschrittes hinweis
Orakelstab 7: Muttervermögen
Runenbegriff: Birke / berka
Sinngehalt: empfangende, bergende Weltenmutter (Nertha-Freja-Frigga, Aditi-Aramati,
Hera-Demeter, Ishtar, Isis)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Fische/Widder
Laut: B
Der Birkenbaum, an dem nach Prophetie einer alten westfälischen Sage die Entscheidungsschlacht
am Weltende geschlagen wird, ist als Repräsentant der Allmutter wahrhaftig ein
Herzgebilde der stofflichen Welt. Jener Ausgang des Ringens zwischen dem heilvoll
ordnenden guten Sinn und dem satanischen Trieb der Materie um den Besitz des
gebärenden Schoßes wird der Erde Schicksal letztlich allein bestimmen. Der positive
Aspekt der Rune vereint den hingebungsvollen, fruchtbaren Fische-Charakter mit
dem willensbetonten, aktiven Widder-Einfluß zur harmonischen Synthese. Der Brauch
junger Mädchen, dem Liebhaber ein Stück Birkenholz zur Ermutigung zu schenken,
deutet ebenso das Runenverständnis an wie der Brauch, die Kinderwiegen aus Birkenholz
anzufertigen. Der Stab spricht von fraulich-stiller Kraft, dem Willen zu empfangen,
neues Werden in sich zu tragen und schließlich auch im Opfergang des Gebärens
des Lebens Fortbestand zu sichern. Für Fruchtbarkeit, Regeneration und Dienst
an den Ewigkeitswerten schlechthin wirbt dieses Orakelwort, und ebenso dafür,
alle der Gesundheit entgegenstehenden schädlichen Gewohnheiten abzulegen, wie
beispielsweise Alkoholmißbrauch, Tabakgenuß und jegliche schwächenden Suchtmittel;
eine Mahnung zur Natürlichkeit, die Gesetze der Großen Mutter zu achten, die
Wurzeln und den Sinn des Daseins als Gottesauftrag zu begreifen zur Weitergabe
und Heranziehung des Lebens, um in diesem Selbstverständnis erdmütterliche Geborgenheit
zu finden.
Orakelstab 8: Ordnungsgewalt
Runenbegriff: Tiu / tiwaz
Sinngehalt: Himmelsvater/Gott (Tiwaz-Tyr-Heimdall-Irmin, Dyaus-Sius-Zeus, Mars-Jupiter)
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Widder
Laut: T
Die Tiu-Chiffre meint jene machtvolle männliche Widder-Energie des befruchtenden
Lichtes und der raumerhaltenden Yang-Kraft, welche als unverzichtbarer Bestandteil
auch eine marsische, lichtkämpferische (hl. Georg) Komponente trägt. Sie erinnert
daran, daß es Fügungen gibt, denen wir uns geduldig unterwerfen müssen; sie
ermutigt, für diese Ewigkeitsordnungen tapfer einzustehen. Sie gemahnt zum unerschütterlichen
Selbstvertrauen, wenn wir uns im Recht befinden und unsere Handlungen im Einklang
stehen mit der positiven Gliederung der Dinge. Der eddische Mythos zeigt den
Himmelsgott Tyr in selbstüberwindender Bereitwilligkeit, wie er, um der Errichtung
einer dauerhaften Regelung willen, den Mächten der Tiefe (Fenriswolf) eine seiner
eigenen Hände hinopfert. Die Rune ruft uns zu: Greife dem Schicksal in den Rachen
- zwinge es; du mußt vielleicht auch opfern und verzichten; vom großen Ziel
weiche keinen zollbreit ab.
Orakelstab 9: Steigende Lichtkraft
Runenbegriff: Sonne / sowilo
Sinngehalt: erblühte, gipfelstürmende Sonnengewalt (Fro/Frej)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Widder/Stier
Laut: S
Des Widders Feuereifer und des Stieres eigenwillige Beharrlichkeit verschmelzen
zur Synthese der Sonnenrune. Das Siegmal ist das Zeichen der bereits erblühten
und dennoch weiter aufsteigenden Glückseligkeit schöpferischen Willens und Erfolges.
Die herrlichen Fähigkeiten männlicher Energie sind ins Licht getreten und wirbeln
- blitzende Lichtsalven verströmend - dem Höhepunkt entgegen. Die Rune der sieghaften
Kraftentfaltung will aber auch ermahnen, daß aus seinen Schattenwinkeln heraus
»Judas«, der ewige Verräter des Himmelslichtes, lauert, welcher um jener »30
Silberlinge« des kleinen materiellen Vorteils willen jede Sonnenschönheit dieser
Welt zu schänden sucht. Die Siegrune warnt vor tückischen Anschlägen von außen
und ebenso vor den Fallstricken aus dem eigenen Inneren, die da wären: Hochmut,Eitelkeit
und allzu sonnenkraftselige Selbstgerechtigkeit.
Orakelstab 10: Erscheinung der Vollkommenheit
Runenbegriff: Elch-Herr / algiz
Sinngehalt: Auferstehung der Blumen-Licht-Gerechtigkeitsallegorie (Bal-Belenus-ApoIIo-Baldur)
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Stier
Laut: Z
Wem dieser Schicksalsstab zufällt, der hält das würdige Los kraftvoller baldurisch-apollonischer
Gelassenheit in Händen. Im maßvoll Guten, Starken des »weißen Stieres« pendelt
das All. Die Rune spricht vom Triumph des Rechtes und einer Gerechtigkeit, welche
solide begründet scheint auf den vier Grundelementen, den Teilwesenheiten allen
Seins (1+2+3+4=10). Sie zeigt auf, daß zur ausladenden Blätterkrone eines Baumes
ein ebensolches Wurzelwerk gehört, daß der Gipfel nicht wäre ohne das Tal, ein
Tag nicht erlebt werden könnte ohne vorausgegangene Nacht und die Ordnung allein
durch Niederzwingung der Chaosmächte zu gewinnen ist. Freilich, nichts ist bestehender
als der Wechsel, jede Harmonie, der trefflichste Rechtsvergleich und Vertrag
sind eng befristet, denn die Kräfte der Dekompensation ruhen nicht. Die Rune
mag Genesung nach schwerer Krankheit andeuten, die Rehabilitierung nach einer
falschen Be- oder Verurteilung oder die Erlangung einer angemessenen Besoldungsgruppe
bzw. eine anstehende Beförderung.
Orakelstab 11: Lieblicher Reiz
Runenbegriff: Pertha /pertho
Sinngehalt: Überschwang lieblichen Wachstums (symbolisiert durch Pertha-Berta,
Freja-Nanna-Idun-Vanadis,
Venus-Aphrodite, Ischtar-Isis)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Stier (Kuh)/Zwillinge
Laut: P
Diese Rune wispert von weiblicher Wesenheit, von langmütigen Sternenkuh-Tendenzen,
die von Venus beherrscht werden, von anpassungsfähiger, regsamer, veränderlicher
Zwillings-Charakteristik, vom »Herd der Hestia«, der »Maiwonne der Maia«, den
»Äpfeln der Aphrodite/ Idun«, dem »Füllhorn der Freja«. Ein Gewinn, ein Geschenk
oder Erbe fällt dir zu - ein Glück wird dir zuteil - eine Sehnsucht findet Erfüllung.
Die Große Mutter reicht dir den Gral, die Schale mit dem heiligen Wasser der
Fruchtbarkeit und des Lebens, für einen seligen Augenblick. Daraus ist dir gewährt,
einen Tropfen holdester Köstlichkeit zu schlürfen. Oft ist es der schelmische
Elf Astrild (Eros-Amor), welcher zwei Herzen füreinander anrührt, so daß sie
gemeinsam vor Diotima, der Liebe Priesterin, hinknien mögen, um ihren Segen
zu empfangen.
Orakelstab 12: Waltende Wechselkraft
Runenbegriff: Eibe / eihwaz
Sinngehalt: die sich gegenseitig erhaltende Polarität kosmischer Kräfte
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Zwillinge
Laut:EI
Die zwillinghafte Eibe, der heilige Lebens- und Todesbaum Wodans, trägt gleich
ihm die 3 als Quersumme des Geistes. Sie wächst im dritten Himmelshaus, das
folgerichtig von Merkur beherrscht wird. Wie jegliche Glut sengend und versehrend
erscheinen kann, so streiten in der immergrünen Welteibe Yggdrasil zwei Kräfte,
nämlich Adler und Drache, miteinander - wie im kosmischen Raum, so auch in jeglicher
Menschenbrust. Zwei sich gegenseitig stützende Mächte - Yin und Yang, Leben
und Tod, das Heilige und der Hader - wirken in dieser Rune, die uns zuruft,
mit stoischer Gelassenheit Wellenberge und -täler des Seins zu meistern; im
Heil ohne Überschwang, im Harm ohne Niedergeschlagenheit weiterzuschreiten.
Wem es gelingt, jene Runenraunung in voller Tiefe zu verinnerlichen, gelangt
auf den Weisheitsgipfel. Welches Los auch die drei Schicksalsmütter (Moiren,
Parzen, Nornen) zuteilen, die drunten am Fuße der Welteibe hocken, füge dich
vertrauensvoll in die Notwendigkeiten; denn nach Karmagesetzen ist alles vorbestimmt:
Auf die gute Tat folgt letztlich der Lohn, und auf die böse Tat folgt letztlich
die Vergeltung.
Orakelstab 13: Schritt über die Schwelle
Runenbegriff: Jahr / jeran
Sinngehalt: Auf- und Abstieg des Zeitlaufes
Mondcharakter: gebärender Vollmond
Tyrkreisort: Zwillinge/Krebs
Laut: J
Das Jahr, die Zeit, gleicht einem Baum mit 13 Ästen; 6 Stufen symbolisieren
die Welt der Abstiegsmächte und die anderen 6 Stufen jene der Aufstiegskräfte
- dazwischen aber ragt die Spitze des Weltberges. 13 ist mithin die Zahl, welche
des Zeitganges immerwährenden sinnvollen, aber auch oft negativ erscheinenden
Wechsel des Abstieges versinnbildlicht. Die Zeitrune steht unter dem zur Neuorientierung
führenden Zwillingseinfluß, der sich mit des Krebses Rückwärtsgang addiert.
Sie raunt von einer sich anbahnenden Veränderung, von dem Ausklingen einer Werdephase,
vom Einmünden der Entwicklung in eine neue Ebene (Transformation). Oft markiert
sie das Ende hochfliegender Pläne, den Beginn eines Abwärtsschwunges, die Verabschiedung
eines Jugendtraumes. Jedenfalls wird ein Tor durchschritten. Das könnte eine
Bewußtseinswandlung ebenso bedeuten wie Übergang in einen neuen Seinszustand
- auch Siechtum und Tod, was jedoch im Sinne der Reinkarnationslehre nur wiederum
ein Zeitsegment im fortlaufenden Wechsel von Sterben und Geborenwerden darstellt.
Orakelstab 14: Erlöschen des Antriebs
Runenbegriff: Eis, Eisen / isaz
Sinngehalt: Tod des Frühlings-/Aufstiegsgeistes (Baldur, Jarilo, Kostromas,
Adonis, Tamuz)
Mondcharakter: erblühter Vollmond,
Tyrkreisort: Krebs (»der böse Krebs«)
Laut: I
Der Eisstab gibt sich zu erkennen als einseitig negativer Aspekt der Eibe, des
Bogen- und Giftpfeilbaumes. Im eddischen Mythos wird aus der unscheinbaren Schmarotzerpflanze
Mistel ein tödlicher Pfeil - darum schenke auch geringfügig aussehenden Gefahrenmomenten
deine Aufmerksamkeit. Eis oder Eisen sind die Allegorien rasch hereinbrechenden
Todes. Der Harmpfeil, das Schwarzalbengeschoß, hat sein Ziel erreicht in Gestalt
eines schlimmen Schicksalsschlages. Noch gestern hielten wir uns, vom Glücke
verwöhnt, für unverwundbar - heute schon schnappt sie zu, die Schere des bösen
Krebses, der aufzehrenden Erkrankung oder des finanziellen Ruins. Des Todes
Eishauch berührt dich in irgendeiner Art und Weise, umklammert sehr bald dein
eigenes Lebenszentrum oder weht nahe an dir vorbei, um dich in einem anderen
Herzen zu treffen. Immer bedeutet zwar die Todesrune Unheil und Verderben; doch
sollte der Betreffende versuchen, den sinngebenden Opferaspekt zu erwägen.
Orakelstab 15: Erneuertes Heil
Runenbegriff: Not (Notwende) / naudiz
Sinngehalt: Schaffung der frischen, verjüngten Feuerkraft
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Krebs/Löwe
Laut: N
Die Not-/Nutzenrune der Notwendigkeit zeigt das Kreuz der »Kreuzung« vom waagerechten
»weiblichen« und senkrechten »männlichen« Balken, welche sich aus Mutters 7
und Vaters 8 zur 15 bzw. 6, der AlI-Zahl, vereinigen. Der Tyrkreiseinfluß spricht
die gleiche Sprache: Der stille, weibliche Krebs verbindet sich mit dem brüllenden
männlichen Löwen. Es ist ein Zeichen des Feuerheiles, der glücklichen Verbindung
einer fruchtbaren Ehe, des gedeihlichen Zusammenwirkens polarer, sich ergänzender
Kräfte. Not findet ein Ende, Mangel wird beseitigt, Widerstände werden beiseite
geschoben. Eine junge, unangekränkelte Kraft bricht sich Bahn, alte Untugenden
werden abgelegt, Fehlgänge korrigiert; aus neuen Positionen wachsen berechtigte
Hoffnungen auf reichen Zugewinn herrlicher Ernten materiellen oder spirituellen
Reichtums. Unüberhörbar fordert diese Rune auf, aktiv an der Heilsgestaltung
mitzuwirken, damit aus dem Kreuz mühevoller Qual einmal der sieghafte Feuergeist
wieder triumphierend hervorleuchten möge.
Orakelstab 16: Gefahr und Rettung
Runenbegriff: Hagel / haglaz
Sinngehalt: göttliche Zwillinge, Dioskuren/Ashvinau/Alkes (Helgi und Höder,
Heil und Harm, Horus und Seth)
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Löwe
Laut: H
Die Hagelrune orakelt möglicherweise von jäher Vernichtung, von Hagelschauern,
also überraschend hereinbrechenden Unwettern, wie sie der Hochsommer zu bereiten
vermag. Dort, wo solche Gefahren drohen, sind aber den tatkräftigen Pflichttreuen
die rettenden Helfer nicht fern, so daß das Schlimmste verhütet wird. Jene schützenden
»Wetterherren«, welche einen Schauerschaden eindämmen können, gleich welcher
Art er auch sei, erblickte man einstens in den Alkes/Dioskuren, den beiden Söhnen
bzw. Teilwesenheiten des Himmelsvaters, dem Löwenpärchen, den Doppellöwen zweier
Körper, die in einen Kopf zusammenlaufen. Der starke Schutzcharakter dieses
Stabes drückt sich ebenfalls aus in seiner Quersumme 7, welche auf die Erd-/Allmutter
der Götterzwillinge hinweist. Wer sich die vereinigte Vollkraft der Heilsmächte
zunutze macht, den schirmt auch im »Hagelschlag« seine Glückshaut
Orakelstab 17: Gereifte Glückseligkeit
Runenbegriff: Wonne / wunjo
Sinngehalt: jubelnder Wonnemut unter Himmelsvaters und Erdmutters Segen
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Löwe/Jungfrau
Laut: W
Dein Weizen ist aufgegangen, golden leuchten die wogenden Felder reif zum Schnitt;
dem Himmelsvater (1+7=8) sowie dem hier zahlenallegorisch nachgeordneten Erdenweib,
vertreten durch die mütterlichen Zahlen 1 und 7, sei Dank. Auf wohlverdiente
sowie »in den Schoß gefallene« Freuden weist diese Rune der Kraft und Erfüllung
hin. Typisch »männliche« Löwen-Merkmale: vitale Lebensfreude, Zuversicht, Stolz
und Ehrgefühl vereinen sich mit den »weiblichen« Jungfrau-Eigenschaften, welche
in diesem Stabe zum einträchtigen Wohlklang zusammenschwingen. Von Komplikationen
und Schwierigkeiten weiß die Rune kein Wort zu berichten, aber vielleicht gemahnt
sie daran, nicht allzu sorglos die Ernten einzuheimsen und zu verzehren, sondern
auch im Wohlleben und Genuß Vorsorge zu treffen für magere Zeiten, Vorausschau
zu halten auf möglichen Mangel, auch während der guten Perioden nicht nachzulassen,
sein Feld zu bestellen, damit immer wieder der Segen einer Erntewonne anheben
kann - im materiellen sowie im mentalen Bereich.
Orakelstab 18: Vertrag und Verpflichtung
Runenbegriff: Gabe / gebo
Sinngehalt: Dankgabe- bzw. Vermehrungskreuz des Vertrages zwischen Mensch und
Gott
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Jungfrau (leichter Löwe-Einfluß)
Laut: G
Erntegaben sind dir zuteil geworden; die numinosen Mächte (Erdmutter-Himmelsvater)
schenkten dir ihr Produkt, ihren Sohn, das »Brot des Lebens«. Im Weizenkorn,
im Gerstensaft genießt du den Leib und trinkst das Blut des herrlichen Sonnensohnes
(Fro/Frej/Jarilo). Sämtliche den Menschen zuteil werdenden Wonnen erwachsen
dem rüstigen Wirken, auf welchem ein höherer Segen ruht. Die himmlische Weihung
zu erlangen, bedarf es des Gebetes und der Gabe, mit deren Hilfe sich der Mensch
wie eine Efeuranke hinaufwindet ins spendende Licht. »Geben und Nehmen« meinen
die sich kreuzenden Hände des Runensymboles der sonnenkräftigen Vermehrung;
hierauf beruht der Vertrag zwischen Gottheit und Menschheit ebenso wie jedes
andere gedeihliche Zusammenwirken. Die Rune erinnert an Erfüllung von Verträgen:
Wie willst du fordern, wenn du nicht gegeben hast! Hast du deine Dankgabe, Gegengabe,
entrichtet? Bist du ein korrekter Partner, dessen »Geben und Nehmen« im ausgewogenen
Verhältnis zueinander steht? Bist du bemüht, die besten Jungfrau-Einflüsse zu
pflegen, wie das Streben nach innerer und äußerer Reinheit, Vollkommenheit,
Ordnung, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit? Bist du treu, bist du dir selbst treu
geblieben, damit dir auch der Sonnensegen treu bleiben mag?
Orakelstab 19: Hinab zu den Müttern
Runenbegriff: Fackel / kenaz
SinngehaIt: Beginn zunehmender Finsternis, Allmutters Niedergang (Nertha-Frigga-Idun,
Demeter, Ischtar, Isis)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Jungfrau
Laut: K
Von der Weltenmutter »raunt« diese Rune, von körpererschaffender Wirkkraft,
welche im herbstlichen Niedergang aus blühenden Höhen hinabsteigt in die Grabkammern
der bergenden Hel. Zur Nuß, zum Samenkern wird die Lebensmutter, die sich in
allen ihren Geschöpfen offenbart. Die Fackel, den Kienbrand des Lebens, nimmt
sie mit hinunter, die Nacht beginnt, die Kälte, das Geschwür am Jahresleib,
hebt an zu wachsen. Die Rune wispert leise von langer Krankheit und Hoffnungslosigkeit,
von Mutlosigkeit angesichts des Welkens und Blätterfalls. Die Mutter gebiert,
und so muß sie auch verschlingen. Doch jede trockene, leblos erscheinende Nuß
birgt einen süßen, unvergänglichen »Seelenkern«, aus dem eine Wiedergeburt möglich
wird. Dies ist auch das tröstliche Signal der Urmutter-Jungfrau im Sternenkreis;
sie hält das Auferstehungssymbol, spica, die Ähre, verheißungsvoll empor. Unter
diesem Aspekt würde die Rune von einer Chance sprechen, die einem äußeren Niedergange
innewohnt, wenn er zur Selbstbesinnung auf den eigenen Wesenskern zu führen
vermag.
Orakelstab 20 : Reise-Ratschlag
Runenbegriff: Raido (Wagen-Ritt-Reise) / raidho
Sinngehalt: Fahrt (Seelenreise)
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Waage (leichter Jungfrau-Einfluß)
Laut: R
Diese Rune kündigt längerfristige Ortsveränderungen an. Damit könnte auch eine
spirituelle Reise im Sinne einer Bewußtseinserweiterung gemeint sein - ja sogar
die »letzte Fahrt« auf dem Wagen des Totenkärrners bzw. der Seelenritt nach
Walhalla/Gimle, dem jenseitigen Aufenthaltsort guter Seelengeister. Strenggenommen
wohnt jeder Reise eine gesteigerte Gefährdung inne - ist es eine Rückreise,
so vermag sie zur Seligkeit hinzulenken, doch in der Regel haftet ihr ein negativer
Aspekt an. Die Reise ist zumeist eine Flucht vor dem eigenen Ich, ist Rausch
und Betäubung. Nichts Wesentliches ist auf Fernreisen zu finden. Was die Menschenpflanze
zur Entfaltung wahrhaft braucht, findet sie im eigenen Wurzelraum. Somit warnt
die Rune vor dem Reiserausch in die Fremde des Selbstverlustes und rät zur Reise
der Selbstfindung und der Ich-Erkenntnis. Solch ein Gang führt am Stamm des
Lebensbaumes hinab zu den Müttern und Vätern, aus denen wir emporgewachsen sind.
Die Rune steht im Einfluß der Waage und appelliert an Ausgewogenheit, Gerechtigkeit,
Vermittlungswillen in dieser und auch in Richtung jener Welt. Gelingt es dir,
Frieden mit deinen Ahnen zu halten?
Orakelstab 21: Weltseele - Menschenseele
Runenbegriff: Ase (Wodan) / ansuz
Sinngehalt: Geistgott-Weltatem-Weltseele (Brahman-Vayu, Osiris-Thoth, Hermes-Merkur,
Teutates-Lug)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Waage
Laut: A
Mit 24 Runen, den Ideenbildern aus Wort und Zahl, schuf der Ase Wodan die transzendenten
Bausteine der Welttotalität. 24 erbringt in Gestalt ihrer Quersumme die Kosmoszahl
6, die ebenso als geheimnisvolle Charakteroffenbarung in der 21 geistert (1+2+3+4+5+6
= 21). Beide, die Gesamtzahl der Runen sowie die Asenrune, bergen zahlenmystisch
als ihren kleinsten Nenner die 3, jene Chiffre des geistigen Wesenskernes der
Dinge schlechthin. Der heilige Weltgeist, kosmischer Atem, die Seele des Seins,
Wodan, den die Ahnen Allvater nannten, ermißt nach seinem Maßstab die Seelen,
wenn er dereinst an der Sternenwaage steht während des letzten Gerichtes, da
die Geister des Lichtes von jenen der Finsternis geschieden werden. Seine Rune
gemahnt zur Wachsamkeit gegenüber Moloch Mammon und seiner Meute. Und sie prophezeit
Hilfe durch den Geist der Wahrheit und Ausgewogenheit. Ein rechter Rat wird
erteilt werden. Die Winke Wodans entspringen immer jener höchsten Verantwortung,
die zu beurteilen der enge Menschengeist sich nicht vermessen darf, obgleich
unser Geistesfunke dem großen, ewigen Weltenfeuer des Asen entstammt. Seine
Rune predigt die Vergeistigung, fordert auf zum Nachsinnen, Besinnen, Übersinnen,
Tiefsinnen; sie verlangt die kämpferische Stoffüberwindung durch den Geist des
Orakelstab 22: Tod und Tiefel
Runenbegriff: Thurse-Dorn (Unhold, Troll, Dämon) / thurisaz
Sinngehalt: Tod in der Materie durch Hingabe an deren Geist (Loki-Widersacher-Tiefel,
Angraman, Seth)
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Skorpion (leichter Waage-Einfluß der negativen Waagschale)
Laut: TH
Der reine Lichtgeist strebt nach letztlicher Überwindung der Lügenseele (Loke)
sowie dessen Kreaturen: der wölfischen Gier (Fenriswolf), des Geistestodes (schwarze
Hel) und der Weltschlange fluchbeladener Wiedergeburten (Midgardschlange). Die
Einzelwesen des Lichtgegners in eine einzige ungeheure Gestalt zusammengeschaut,
das ist der große Thurse, der RiesentroII, der Winterdämon, der mit »dorniger
Rute« die Völker in den Schlaf des materiellen Selbstvergessens hineinpeitscht.
Der Thursenstab erinnert immer daran, auf der Hut zu sein vor negativen Skorpion-Tendenzen,
gleichgültig ob sie im eigenen Inneren wesen oder uns aus der Umwelt bedrohen:
Zerstörungs- und Rachsucht, Haß, Zynismus, Unduldsamkeit, Neid, Provokationsfreude,
Leidensgenuß. »Wahnsinn-Wollust-Wut«, »Taumel-Tollheit-Trunkenheit« bringt der
Thurse, bestialische Instinkte, Streben nach dem goldenen Staub der Welt, Mammonanbetung,
also Tod aller wahren Lichtgeistigkeit. So erscheint die Rune wie ein Mahnmal
gegen Verführung und Welttrug, gegen das Erlöschen des guten Geistes in den
Fallstricken des Stoffes. Oft tritt eine weltliche Versuchung an uns heran -
siegt die Treue, oder siegt der Troll? Diese Frage kann nur aus dem gesamten
Runenorakelverband entschieden werden.
Orakelstab 23: Opfersinn /uruz
Runenbegriff: Ur (Wild-, Gottesstier)
Sinngehalt: Versiegen der Vegetationskraft, Opfertod des kosmischen Stieres
(Prajapati, Osiris, Wodan-Fro/Frej, Dionysos, Tamuz)
Mondcharakter: gebärender Schwarzmond
Tyrkreisort: Skorpion
Laut: U
Der Stachel des Skorpions fand sein Opfer, der Schuß auf den Sonnenhirsch erreichte
sein Ziel, der göttliche Jahresstier, die Fruchtbarkeits- und Lichtallegorie
ist tödlich getroffen. Dies ist die Rune des Todes infolge eines vorhersehbaren
Niederganges - keines Eisblitzes aus heiterem Himmel, sondern des folgerichtigen
Dahinscheidens, dem neues Aufblühen erwächst. Im ewig-erneuernden, welterhaltenden
Wechsel muß Altes vergehen, um dem jungen Kommen Nahrung und Raum zu schaffen.
So mag jeglicher Tod als zeitverjüngender Opfergang geschaut werden - ein düsteres
Empfinden der Trauer wird trotzdem bleiben. Eindringlich stellt dieser Stab
das Bild der Vergänglichkeit vor uns hin mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.
Werden wir in der Entkörperlichung auf höherer Seinsebene alle diesseitigen
Rätselfragen durchschauen, welche Wodan mit seinem welterschaffenden Opfertod
geknüpft hat? Doch muß die Urrune nicht unbedingt den letzten Schritt in die
Walhalla meinen - der Mensch stirbt auch schon vorher viele kleine Tode. Dieser
Orakelzweig raunt die Schlüsselworte des Sternenskorpions »Stirb und Werde«,
und er preist dessen beste Aspekte: Hingabe für die hohe Idee, die in der Wertskala
dem menschlichen Sein des Einzelnen noch übergeordnet erscheint - Verzicht und
bewußter Gang in die Tiefe - Erkenntnis der Opfernotwendigkeit und daraus resultierende
Opferbereitschaft.
Orakelstab 24: Höherer Lohn / fehu
Runenbegriff: Vieh (Besitz, Habe)
Sinngehalt: der Opferhingabe bzw. dem allgemeinen Wohlverhalten entquellende
Segenskeime
Mondcharakter: erblühter Vollmond
Tyrkreisort: Schütze, Skorpion-Einflüsse
Laut: F
Aus der Opferhingabe der Skorpion-Phase erhebt sich jener tiermenschliche Zentaur,
der den sehnsuchtsvollen Pfeilschuß in die Auferstehung des weltlichen Erwachens
hineinschleudert. Der Stab ist im wesentlichen von Schütze-Einflüssen geprägt,
zukunftsorientiert, hoffnungsfroh, von umfassender Einsicht, Großzügigkeit und
schwungvoller Aktivität. Als Zeichen des Besitzes, speziell der beweglichen
Habe, wurde dieses Runenwort stets gedeutet. Gemeint ist aber nicht das sinnlos
raffende, knechtende Zinskapital, sondern das hilfreich ordnende, den Wohlstand
der Gesamtheit hebende, anständige Geld aus redlichen Einkünften, denn die »Viehseele«,
jenes präexistente, vorweltliche Ideenbild, welchem das Nutzvieh erwuchs, galt
als Synonym für »guten Sinn«. Unter diesem Aspekt fordert uns die Viehrune auf
zum Wohlverhalten gegenüber Mitmensch und Kreatur. Das Vieh, ja die Tiere allgemein,
jene noch unvollkommenen Geschwister des Menschen, bedürfen unserer Fürsorge
und liebevollen Anteilnahme im sich gegenseitig stützenden Ring des Lebendigen.
Der Orakelzweig spricht vom materiellen Segen, der aus transzendentem Bewußtsein
- gepaart mit Verantwortungsgefühl für diesseitige Harmonie - erwächst. Sie
könnte derartigen Zugewinn ankündigen oder aber dergestaltige Ermahnungen aussprechen.
So singt gerade jene Rune, welche in schlichtestem Wortgewande einhergeht, das
erhabene Lied von der höheren Habe, von den geistigen Schätzen der rechtschaffenen
Seele, über die erst im Gegenzug des numinosen Gnadenaktes das Füllhorn weltlichen
Wohlstandes ausgegossen wird. Unangekränkelten Gefühls vermag sich demnach der
Besitzer beständigen Reichtums seiner irdischen Schätze zu erfreuen, galten
sie doch als sichtbare Zeichen jener »himmlischen Ortes erworbenen Huld«. Unter
solcher Betrachtungsweise darf die Viehrune als verpflichtender Wegweiser gelten:
Segensgaben in dieser wie in jener Welt erwachsen allein aus der Beachtung des
Rita, des heiligen Weltgesetzes der Wahrheitsordnung. Im karmischen Sinne wird
letztlich und dauerhaft kein Unschuldiger Strafe erleiden und kein Unwürdiger
Lohn empfangen.
Schrift war kein sumerischer Import, vielmehr Harald Haarmann setzte
1991 mit seinem Grundlagenwerk "Universalgeschiche der Schrift" den bisher markantesten
Meilenstein der wissenschaftlichen Schriftgeschichte. Auf S. 18 sagt er: "Eine
der wichtigsten Neuerungen in der Forschung der letzten Zeit ist die Erkenntnis,
daß die Anfänge der Schriftgeschichte um mindestens 2 Jahrtausende zurückverlegt
werden müssen. Die Schriftkultur der Menschheit begann vor 7000 Jahren." Nicht
im bisher angenommenen Kulturkreis der Sumerer in Mesopotamien, sondern in Südwestsiebenbürgen
stand die Wiege der zivilisierten Menschheit und der Schriftentwicklung. Der
litauischen Archäologin M. Gimbutas verdanken wir ein übersichtliches Bild über
diesen vorindogerm. Kulturkreis am Unterlauf der Donau, den sie "Alteuropa"
nennt. Diese altbalkanische Schrift war kein sumerischer Import, vielmehr eine
bodenständige Neuschöpfung. Auch die bisher ältesten Hakenkreuz-Symbole treten
hier auf. Zwei volle Jahrtausende liegen zwischen den ersten Schriftzeugnissen
der Donau-Kultur und den ältesten sumerischen Aufzeichnungen. In "Alteuropa"
handelte es sich um eine Sakralschrift, die etwa von 5300 - 3500 v.0 in Gebrauch
war.
Gerhard Heß schrieb 1993 in sein Grundlagenwerk "ODING-WIZZOD Gottesgesetz und
Botschaft der Runen" über die von Ihn neu gefundenen Sinn der Runen, wo in wissenschaftlich
- anschaulicher Weise über den neuesten Wissensstand der Runen geschrieben wird...